Verfasst von: Torsten Matzak | 10/10/2009

Erlebnisbericht aus Ghana

Arne Zismer

Arne Zismer

Eigentlich wollte ich an der Schule ein bisschen von dem weitergeben, was ich in meinem ersten Jahr der Schneiderlehre gelernt habe.
Nachdem ich Mittwochs in Accra gelandet und fünf Stunden mit dem Bus nach Kumasi gefahren bin, wurde ich von Matthias, dem damaligen Zivildienstleistenden, mit dem ich dann auch zusammengewohnt habe, abgeholt. Vom ersten Tag an habe ich die ghanaische Gastfreundlichkeit zu spüren bekommen. Ich wurde gleich nach meiner Ankunft freundlich empfangen und auch den Rest der Zeit war jeder sehr hilfsbereit und aufgeschlossen.
Matthias hat mich in das dortige Leben eingeführt, worüber ich sehr froh bin, denn sonst wäre es bestimmt schwierig gewesen, sich in einem so anderen Umfeld zurechtzufinden. Wenn es etwa darum geht, etwas zu Essen zu kaufen, oder Leute kennenzulernen.

Die ersten Tage
, bis zum Montag, hatte ich Zeit mich einzuleben.
Als ich dann das erste Mal den Unterricht des Dressmaking-Departments besucht habe und mich mit den Lehrern und Schülern unterhalten habe, habe ich bemerkt, dass in der Schule viele Dinge unterrichtet werden, die gar nicht zu meiner Ausbilung gehören. Die Schüler lernen zum Beispiel Untersetzer zu häkeln, Tischdecken zu besticken und auch, die Kleidungsstücke, die sie nähen selber zuzuschneiden.
Da ich erst kurz vor Schuljahresende angekommen bin, waren die Schüler meistens damit beschäftigt sich auf die Prüfungen vorzubereiten, weswegen ich ihnen auch nichts von dem beibringen konnte was ich gelernt hab, weil es nicht wichtig für ihre Prüfungen war.
Stattdessen hat der Schneiderlehrer mir den Zuschnitt von afrikanischen Hemden und verschiedene Verarbeitungsmöglichkeiten beigebracht. Ich habe sogar nach meinen eigenen Maßen zwei Übungshemden aus Papier genäht und von einer Schneiderlehrerin habe ich gelernt, aus einfachem Kalenderpapier schöne, bunte Perlen für Ketten und Armbänder zu machen. Wäre ich länger geblieben, hätte ich bestimmt auch noch häkeln gelernt.
Nachdem die Prüfungen geschrieben wurden, habe ich der Lehrerin für Englisch und Fachtheorie beim korrigieren ihrer Fächer geholfen. Deswegen habe ich während meinem Aufenthalt mehr gelernt und konnte nicht so viel helfen, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Auch neben meinen Tätigkeiten an der Schule habe ich viel erfahren und erlebt.
Da ich während der gesamten Zeit in Ghana viel Kontakt mit Einheimischen hatte, habe ich einen guten Einblick in deren Lebensweisen und deren Mentalität bekommen.
Interessant war es auch, die einfachen Lebensumstände kennenzulernen, die dort herrschen. Viele Dinge, die für mich hier selbstverständlich sind, wie zum Beispiel eine eigene, schnelle Internetverbindung, sind dort schon fast Luxus.
Die Familie, bei der ich ein paar Tage in Accra gewohnt habe, hatte nur einen Wasserhahn im Garten. Zum Duschen musste man also erstmal einen Eimer Wasser holen, ihn zurück ins Badezimmer tragen und sich dann mit Hilfe eines kleinen Bechers waschen.
Im Gegensatz zum Wäsche waschen, hatte ich mit dem Duschen aber kein Problem.
Meine Wäsche habe ich, in Wassereimern mit kaltem Wasser und einem Tütchen Waschmitteln waschen, was bei mir aber nie so richtig geklappt hat. Denn auch nach dem Einweichen, Waschen, Ausspülen mit klarem Wasser und Trocknen hat meine Wäsche etwas unangenehm gerochen. Nachdem ich die Kleidung einen Tag getragen habe, ist der Geruch aber zum Glück wieder verflogen.

Manchmal hatte ich etwas Probleme, mit den Ghanaern zurecht zu kommen.
Im Allgemeinen empfand ich deren Gelassenheit zwar als angenehm, aber wenn ich mal ungeduldiger war und schnell etwas erledigen wollte, kam mir diese Ruhe eher wie Trägheit vor, was manchmal nervig und anstrengend war. Vor allem, wenn ich mit Leuten zu tun hatte, die nicht viel Englisch sprachen.
Denn einige sprechen nur sehr wenig Englisch, und da ich kein Twi sprechen kann, war es manchmal schwierig sich zu verständigen. In den meisten Fällen hat sich aber jemand gefunden, der beide Sprachen beherrschte und mir geholfen hat. An den ghanaischen Akzent musste ich mich erstmal gewöhnen. Am Anfang hatte ich sogar Schwierigkeiten, den Direktor der Schule zu verstehen, obwohl er sehr gutes Englisch spricht.
In manchen Momenten habe ich mir gewünscht unsichtbar, oder zumindest schwarz, zu sein, um nicht so viel Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen, damit ich einfach mal rumlaufen könnte, ohne ständig im Mittelpunkt zu stehen.

Gerne wäre ich nocht etwas länger geblieben.
Denn gerade als ich das Gefühlt hatte, dass ich, mich richtig eingelebt hatte, musste ich wieder abreisen.
Für einen groben Eindruck und interessante Erfahrungen hat es aber auf jeden Fall gereicht.

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